Netzsensibilität nimmt seinen Ausgangspunkt in Fotografien von Bäumen und Ästen. Diese natürlichen Strukturen – verzweigt, unübersichtlich, voller Richtungswechsel – werden zur Grundlage für eine visuelle Schichtung, die weit über das ursprüngliche Motiv hinausgeht.

Auf den drei übereinander gelagerten Fotoprints, eingeschlossen in Acrylglas, verwandeln sich die Äste in ein filigranes Netzwerk. Die Linien verlaufen nicht mehr nur als Baumkronen am Himmel, sondern als Geflechte, die an Nervensysteme, Wurzeln oder sogar digitale Netze erinnern. Was ursprünglich aus der Natur stammt, wird hier zu einem Zwischenraum aus Realität und Abstraktion.

Durch die Transparenz des Acrylglases verschieben sich die Ebenen je nach Blickwinkel. Die Äste wirken einmal scharf und greifbar, dann wieder verwaschen, beinahe fließend. Diese ständige Veränderung macht sichtbar, wie sensibel unsere Wahrnehmung auf kleinste Verschiebungen reagiert.

Netzsensibilität zeigt, dass ein einfacher Baumzweig mehr sein kann als ein Naturdetail. Er wird zu einem Spiegel für unsere Art zu sehen – für die Verbindungen, die wir knüpfen, und die Bedeutungen, die wir in Linien, Formen und Räumen suchen. Die Arbeit lädt dazu ein, innezuhalten und die feinen Übergänge zwischen Natur, Bild und Wahrnehmung neu zu entdecken.